Sepak Takraw

Share on FacebookShare on Google+Email this to someone

Sepak Takraw ist eine Ballsportart aus dem ostasiatischen Raum. Dort wird dieser Sport schon seit mindestens fünfhundert, wenn nicht gar tausend Jahren betrieben. Wo diese Ballsportart genau entstanden ist, lässt sich nicht mehr exakt feststellen, es könnte in Malaysia oder Thailand gewesen sein oder aber auch in Japan oder China. Die genauen Wurzeln sind nicht mehr nachzuvollziehen. Was aber ziemlich sicher ist, ist die Tatsache, dass dieser Sport in den Pausen von der Arbeit auf den Reisfeldern entstanden sein muss. Rattan ist in Südostasien überall zu finden und das Spielen war sozusagen kostenlos.

Im ganzen Ostasiatischen Raum von Vietnam über Kambodscha, Malaysia, Indonesien bis hin zu Japan und China ist das Spiel bekannt und beliebt. Auch in Burma, Brunei und Laos wird das Spiel gespielt, wobei der Name je nach Landessprache variiert. Inzwischen ist es aber die eigentliche Bezeichnung Sepak Takraw, die sich auf internationaler Ebene durchgesetzt hat.
Sepak bedeutet in der malaiischen Sprache so viel wie kicken und Takraw ist das thailändische Wort für einen geflochtenen Ball aus Rattan.

Das Spiel erinnert weit entfernt an das vor allen Dingen im Westen beliebte Volleyball, allerdings ist die Berührung durch Hand oder Arm nicht erlaubt. Sepak Takraw wird in der Regel in einem Badmintonfeld gespielt. Auch beim Sepak Takraw ist also, wie beim Volleyball oder Badminton, ein Netz zwischen die beiden Mannschaftshälften gespannt. Für männliche Mannschaften hat es eine Höhe von 1,55 Meter, bei den Frauen ist es mit 1,45 Metern genau zehn Zentimeter niedriger. Im jeweiligen Spielfeld befindet sich ein Anspielkreis und ein Mittelkreis.

Zum Sepak Takraw Spiel benutzen die Spieler einen ganz besonderen Ball. Dieser spezielle Ball aus Rattan oder neuerdings auch Kunststoff ist aus einem geflochtenen Band hergestellt. Der Ball verfügt über zwölf Löcher und zwanzig Schnittpunkte. Sein Umfang beträgt ungefähr 0,4 Meter und sein Gewicht zirka 175 Gramm.

Eine Mannschaft, die so genannte Regu, besteht aus drei Spielern. Sie verteilen sich auf die linke und rechte vordere Hälfte des Spielfelds und heißen Left Inside und Right Inside. Der dritte Spieler, der so genannte Back, steht weiter hinten im Spielfeld. Jede Mannschaft, oder Regu, bestimmt einen Spielführer, den eine Binde am Oberarm kennzeichnet.
Lediglich ein Spieler eines Regu kann während der gesamten Spielzeit gegen einen Ersatzmann ausgewechselt werden.

Der Aufwand an Schiedsrichtern ist beim Sepak Takraw sehr hoch. So werden bei jeder Partie ein Oberschiedsrichter, zwei Assistenten und zusätzlich noch sechs Linienrichter benötigt. Durch den Wurf einer Münze vor Beginn des Spiels wird, ähnlich wie beim Fußball Anstoß und Seitenwahl bestimmt.
Das eigentliche Spiel kann nun beginnen. Im Gegensatz zum Volleyball oder auch Faustball wird der Ball nicht per Hand von Mann zu Mann und schließlich über das Netz befördert, sondern eben in der Regel mit dem Fuß. Und genau das macht Sepak Takraw sowohl für die Spieler selbst wie auch für die Zuschauer so anspruchsvoll und so attraktiv. Wahre akrobatische Meisterleistungen bei der Weitergabe des Balls sind von Nöten, um im schnellen Spielfluss zu bleiben. Nicht selten schlagen die Spieler nach einem getretenen Ball einen Salto, um den gewonnenen Schwung aufzufangen. Punkte werden dadurch erzielt, dass der Ball im gegenerischen Feld den Boden berührt. Das Spiel wird in der modernen und international gültigen Version bis fünfzehn Punkte und in drei Sätzen gespielt.
Sepak Takraw hat seit 1960 in Kuala Lumpur vereinbarte einheitliche, international gültige Regeln. Seit 1988 gibt es einen internationalen Verband, die ISTAF oder auch International Sepak Takraw Federation.

Das Regelwerk war zuvor nicht nur von Land zu Land, sondern auch von Region zu Region innerhalb eines Staates sehr verschieden.
Auch in Europa gibt es inzwischen eine Vereinigung, nämlich den im Jahre 2003 gegründeten Verband FESTA oder Federation of European Sepak Takraw Assiociations.
Die ersten europäischen Interessenten des Sepak Takraw waren vor allen Dingen Sportstudenten, aber auch Judoka oder andere, mit asiatischen Sportarten in Berührung gekommene Sportler.
Die Verbände streben nachhaltig eine Zulassung durch das Internationale Olympische Komitee an. Bis jetzt konnten aber nur kleine Teilerfolge, wie die offizielle Wahrnehmung der Sportart als asiatische Disziplin erreicht werden. Ob und wann Sepak Takraw wirklich eine olympische Disziplin wird, ist noch völlig ungewiss. Es gibt inzwischen eine europäische Liga, aber immer noch keinen deutschen Verband. Sepak Takraw Mannschaften gibt es in Deutschland sowieso erst sehr wenige. Die erste Mannschaft wurde 1992 in Köln ins Leben gerufen.

Aber diese spektakuläre Ballsportart mit ihren Kicks, Salti und Fallrückziehern ist auch in Europa entschieden am Kommen. Sepak Takraw wird in der Schweiz, Österreich, Italien und Frankreich vermehrt gespielt. Auch in den USA, Großbritannien, Australien, Finnland und sogar in Ägypten gewinnt Sepak Takraw immer mehr interessierte Spieler und auch die nötigen Zuschauer für sich. Zu den offenen europäischen Meisterschaften werden auch Spieler und Mannschaften aus Ländern wie Iran oder Ägypten eingeladen, um die sowieso geringe Präsenz von Sepak Takraw zu fördern. Auf diese Art werden auch Mannschaften Spiele und Turniere ermöglicht, die im eigenen Land mangels Vereinen gar keine Gegner finden könnten.

Einer der talentiertesten und berühmtesten Sepak Takraw Spieler ist beispielsweise der Thailänder Suebsak Phunsueb. Berühmte malaysische Spieler sind Razim Hassan und Adnan Saidin. Den Weltmeister im Sepak Takraw stellt fast immer das überlegen spielende Team aus Thailand. Sein schärfster Rivale ist bei großen Turnieren wie dem King’s Cup in Bankok oder der Weltmeisterschaft regelmäßig Malaysia.
Das beste europäische Team und amtierender Europameister ist die Kölner Mannschaft Takraw Cologne, die sich durch den Gewinn einer Goldmedaille im Doppel beim King’s Cup 2008 auch im asiatischen Raum Ansehen und Respekt verschaffen konnte.

Man kann dieser spektakulären und attraktiven Sportart nur wünschen, dass sie einerseits auch im Westen Volkssportcharakter entwickelt und dass es andererseits mit der Anerkennung durch die Verantwortlichen des Olympischen Komitees rasch vorwärts geht. Sepak Takraw und seine Spieler in Asien und der ganzen Welt hätten es auf jeden Fall verdient.